Manuel Göttsching in concert at VILETTE SONIQUE in Paris, June 2
ABOUT THE ARTIST
Manuel Göttsching Composer, Guitar, Producer
Modest, quiet, bad at self-promotion and answering the phone, composer and multi-instrumentalist Manuel Göttsching is instead content to stay at home meditating on his next project by painting the windows of his Berlin(‘s) flat, but yet, he is prominently exhibited as a wax model in Asia's largest wax museum in the Tokyo Tower, showcasing him as a world class musician. This legendary guitarist of ‘70s funky Germany has profoundly influenced today's electronic music, and his compositions are loved by DJs and contemporary ensembles, classical pianists, jazz musicians alike.
Göttsching was born in Berlin on September 9th, 1952. Like any teenager of that period, he was listening to Jimi Hendrix, the Rolling Stones, Cream, Small Faces, The Who, Fleetwood Mac. He had studied classical guitar from early childhood, but wanted to play drums at the age of 15, so he and his best friend Hartmut Enke created their first band on Hartmut's 15th birthday. Manuel ended up as the singer of the band. A year later he studied improvisation(s) with famous Swiss avant-garde composer, Thomas Kessler. Göttsching enjoyed a creative environment, surrounded by painters, musicians, film makers and fashion designers.
In 1970, while still at school, he formed the legendary ASH RA TEMPEL, a band that created new sounds with the classic line-up of guitar, bass and drums. For the album Seven Up (1972), Göttsching invited Dr. Timothy Leary to collaborate, setting Leary's theory of the Seven Levels of Consciousness to music.
Göttsching's first solo album, Inventions for Electric Guitar, recorded in 1974, is listed as one of the most important ambient compositions at allmusic.com, the music industry's reference guide. New Age of Earth (1976), his second solo work, explored keyboards and synthesizers, and is his best -selling album to date.
In 1977 Ash Ra Tempel became Ashra, as an acknowledgment of both musical development and personnel changes. Correlations (1978) and Belle Alliance (1979) were big success for the band. But Göttsching has not given up his solo work and the same year Blackouts (1977) was released, a studio album (popular and sampled until today), on which he performs (himself) on guitars, bass, drums and electronics.
On December 12, 1981 Göttsching recorded, in a one-hour session, E2-E4, a piece of minimalist music for guitar and electronics. This composition has been embraced by the experimental and classical genres alike, and is recognized as the most important forerunner of techno aesthetics. More recent compositions are: Die Mulde (1997) and (or) Concert for Murnau (2002). Göttsching's pervasively influential body of work also includes compositions and performances for theatrical plays such as Antonio Skarmeta’s Burning Patience, and for films like Le Berceau de Cristal (1975) by Philippe Garrel, starring Anita Pallenberg and Velvet Underground singer Nico, or for his wife Ilona Ziok’s highly awarded cabaret film Kurt Gerrons KARUSSELL (1999), starring Ute Lemper, where Göttsching also produced the sound track CD for Warner Music.
Göttsching performed live music for art installations in which his music forms a constituent element, for legendary fashion shows, like Big Birds, featuring famous artists Salome & Luciano Castelli, and customized runway show music for fashion designer Wolfgang JOOP. His most recent composition is the music to his wife(‘s) Ilona Ziok's movie The Count and the Comrade, a true story of two powerful men who shared an unlikely friendship in the shadow of Germany's turbulent history. The Count and the Comrade illuminates the unique lives of Count Carl-Hans von Hardenberg, one of the rebellious officers behind Valkyrie, the plot that should have killed Hitler, and Fritz Perlitz, the ardent communist who would become one of the heroes of the new East Germany. The final chapter in their story is written by the changing tides of Germany's post-war history.
The Count and the Comrade will screened as a sneak preview at the Goethe-Institut Los Angeles, 5750 Wilshire Blvd. Suite 100 on Monday, March 9 @ 7:00 pm.
More information @ 323.525.3388 or @ www.goethe.de/losangeles
http://www.myspace.com/manuelgoettsching www.manuel-goettsching.com www.ashra.com www.ashra.de www.ashratempel.com www.ash-ra-tempel.com
Exclusives Interview: Nicky trifft Manuel Göttsching
For the english Interview click here
Liebe Freunde,
ich freue mich sehr, Euch an dieser Stelle Manuel Göttsching vorzustellen.
Wir haben nun schon eine ganze Weile an dem Interview zusammen gearbeitet.
Es ist sehr ausführlich geworden, aber ich finde es ist unterhaltsam und auch ich habe einiges dazugelernt.
Viel Vergnügen
wünschen Euch Manuel & Nicky
Über Dich Manuel, wo und wann bist du geboren? Wo lebst du? Was ist dein Sternzeichen?
Am 9.9.52 in Berlin, Friedenau, und lebe immer noch in Berlin, gar nicht so weit weg davon, bin Jungfrau, was immer das für Dich bedeuten mag, ich glaube nicht an so was….
Deine Webadressen:
Man findet mich über: www.manuel-goettsching.com www.ashra.com, www.ashra.de, www.ashratempel.com, www.ash-ra-tempel.com,
wobei man bei allen Adressen auf einer einzigen landet, weil alle ich bin…
Auf Myspace gibt es auch noch drei, die sind aber unterschiedlicher Herkunft und Prägung:
Meine Offizielle: www.myspace.com/manuelgoettsching Eine Fanseite: www.myspace.com/manuelgoettschingofficialfansite
WURDE AUS UNGEKLÄRTEN ABER GRÜNDEN GERADE ZERSTÖRT.
Und eine, die meiner Band ASH RA TEMPEL gilt:
www.myspace.com/ashratempel
bei der sich der Halter aber nicht zu erkennen geben will, auch mir nicht.
Sie ist sehr o.k. bis auf ein paar gravierende Fehler, z.B. da heißt es, dass Harald Grosskopf oder Steve Baltes schon bei ASH RA TEMPEL dabei waren.
Das stimmt natürlich nicht, habe den Halter auch schon darauf aufmerksam gemacht – vergeblich. Und Lutz Ulbrich war da auch nur als Gastmusiker dabei.
Diese Seite gilt jedenfalls meinem Frühwerk mit Band und Solo als ASH RA TEMPEL, aber was das bedeutet, erklärt sich gleich:
ASH RA TEMPEL waren bei Gründung 1970: Hartmut Enke, Klaus Schulze und ich.
Nach einem Jahr und nach der Veröffentlichung des ersten gleichnamigen Albums (http://www.ashra.com/disco/1711as.htm) 1971 ging Schulze und nach 3 Jahren verabschiedete sich Hartmut für immer vom Musizieren. Er hörte während eines Konzerts auf zu spielen und hat die Bühne niemals wieder betreten.
Ab da war ASH RA TEMPEL nur noch ich solo oder mit wechselnden Gastmusikern, die ich zu einzelnen Events oder Aufnahmen einlud. Aber veröffentlicht habe ich weiterhin unter dem Namen ASH RA TEMPEL, die Alben mit den Gastmusikern, aber auch die Solowerke wie „Inventions for Electric Guitar" (1974) und „New Age of Earth" (1976.
In beiden Fällen stand aber mein Name auch dabei, bei der „Inventions for Electric Guitar" setzte ich ihn unter den Band-Namen (http://www.ashra.com/disco/1751in.htm) und bei der „New Age of Earth" darüber (http://www.ashra.com/disco/1761ne.htm). Den Namen ASH RA TEMPEL völlig aufzugeben, wollte ich dann doch noch nicht. Vielleicht aus Wehmut (es war eine schöne Zeit gewesen), vielleicht aber auch, weil alles, was ASH RA TEMPEL gemacht hat - ob mit Urbesetzung, ob ich dann alleine mit Gastmusikern oder tatsächlich solo - eben Kult war. Schon damals ;-)
Mit „Blackouts" (http://www.ashra.com/disco/1771bl.htm), meinem 3. Soloalbum von 1977, habe ich den Namen allerdings zu ASHRA verkürzt und auf meinen eigenen wieder verzichtet. So wollte ich einen neuen Abschnitt markieren und für eine neue Band vorbauen, die ich wieder gründen wollte, mit mir als musikalischer Mittelpunkt. Seit der „Inventions for Electric Guitar" hatte ich mich musikalisch in eine andere Richtung entwickelt, und dem sollte der gekürzte Name ebenfalls Rechnung tragen, aber durchaus an meine musikalische Herkunft anknüpft.
Und so kam es eben zu ASHRA.
Solist wollte ich nicht werden. Das habe ich im Studio betrieben. Auf der Bühne war es jedoch schwierig, denn die Technik war noch nicht so weit, dass man spielend alles gleichzeitig bedienen und auch noch vier Instrumente parallel dazu spielen konnte, auf die ich aber nicht verzichten wollte. Also musste Manpower her. Außerdem mag ich auch das Gruppengefühlt.
Dein Lieblingsspruch?
Wer andern in der Nase bohrt hat selbst nichts drin.
Deine Liebelingssängerin?
Yma Sumac.
Dein Lieblingssänger?
Elvis.
Deine Lieblingsbands?
Alle aus meiner Teenager Zeit, also den Sixties - Cream, Rolling Stones, Small Faces, Blue Cheer, John Mayall’s Bluesbrakers, Fleetwood Mac (die frühen- mit Peter Green) und natürlich Jimi Hendrix Experience.
Dein Lieblingskomponist?
Satie, Reich.
Was war dein Berufswunsch als Junge?
Filmregisseur wollte ich werden! Habe auch mit 17 Jahren einen richtigen Spielfilm von 30 min. gemacht, über eine Klassenfahrt, auf Super 8 mm gedreht.
Er heißt: ALPTRAUM EINER LEHRERIN.
Damals wollte ich keine eigene Musik dazu machen, also wählte ich was passendes aus, von Pink Floyd und Steamhammer.
Wenn ich ihn heute herausbringen würde, was meine Frau unbedingt möchte, sollte es aber wohl eher meine Musik sein, allein schon wegen der Rechte, die mich dann nichts kosten würden.
Dazu vielleicht eine kleine Anekdote, wie einem das Leben so mitspielt: Während ich von Filmregie träumte, wollte meine Frau unbedingt Musikerin bzw. Sängerin werden. Es ist genau umgekehrt gekommen. Sie wurde Filmregisseurin und Produzentin, ich Komponist und Musiker. Aber auf diese Weise ergänzen wir uns und verstehen auch gegenseitig etwas von des anderen Profession.
Ab welchem Alter hast du dich für Musik interessiert?
Schon immer! Das Radio war mein ständiger Begleiter, später die Gitarre, weil ich wegen der Lautstärke nicht Klavier spielen durfte….
Du hast eine klassische Musikausbildung genossen und bist ein Virtuose an der Gitarre. Spielst Du auch weitere Instrumente?
Während meiner zahlreichen Schallplattenproduktionen habe ich diverse Instrumente zuerst im Studio und später auch live gespielt, Bass, elektrische Orgel, Klavier, auch Schlagzeug und natürliche alle Arten von Synthesizer. Später habe ich auch angefangen für Klavier/Orgel/Keyboards zu komponieren und bei meinen Konzerten ist auch immer ein Keyboard für bestimmte Teile in der Musik dabei. Aber Gitarre, in allen Varianten von klassischer über elektrische bis hin zur Hawaii, bleibt mir immer noch das liebste Instrument.
Wenn du eine Komposition schreibst, woher nimmst du denn deine Inspiration? Und: Kannst Du Noten schreiben?
Noten kann ich allerdings schreiben ;-) Habe schließlich eine klassische Ausbildung, die ich später immer erweitert habe, so dass ich heute auch Partituren für ein Orchester schreiben kann und auch geschrieben habe.
1974 habe ich bereits nach aufgeschriebenen Noten ein Stück auf der elektrischen Gitarre eingespielt, das sehr bekannt geworden ist: ECHO WAVES von dem Album „Inventions for Electric Guitar".
Deine Bühnenauftritte (mit Band oder solo) sind selten und legendär.
Ja, legendär waren die Auftritte schon Anfang der 70er Jahre, weil wir auf der Bühne nur frei improvisierten und keiner wusste, wie lange und wohin die Reise gehen wird ;-)
(Wir, das waren Hartmut Enke, Klaus Schulze und ich, die Original Besetzung von ASH RA TEMPEL).
Das war damals noch ungewöhnlich und neu in der Rock Musik, solche Experimente kannte man vorher nur vom Jazz, und es gab nur wenige Musiker in Deutschland, die sich das trauten.
Deutsche Rockmusiker wollten lieber solide angloamerikanische Rockmusik nachempfinden und machen, und durch diese "Nachmacher" bekam der Begriff Krautrock hier in Deutschland einen so negativen Beigeschmack. Dagegen wurde der Begriff Krautrock im Ausland durchaus positiv gewertet und bezog sich auf gerade jene Ausnahmen, die neue Formen in der Musik ausprobierten.
Und so kursierten auch unsere ersten Schallplatten schnell in interessierten Kreisen in England Frankreich USA und Japan. So entstand die Legende und der Mythos ist geblieben.
Mir ist bekannt, dass Du nichts „fertiges" d.h. CD oder ähnliches mit auf die Bühne nimmst – und: Das dort immer neue Kompositionen „Live und vor Ort" entstehen. Wie kann man sich Deine Auftritte bildlich vorstellen?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt vom jeweiligen Programm bzw. der Komposition ab.
Grundsätzlich aber war es für mich immer wichtig, dass die Musik lebendig bleibt, und das kann ich umso besser vermitteln, wenn sie für mich selbst immer wieder neu klingt.
Daher sind viele meiner Kompositionen so offen, dass ich variieren und improvisieren kann und nicht nur vorgefertigte Muster reproduziere. Das gilt nicht nur für Konzerte sondern auch für Studio Produktionen, und vielleicht ist E2-E4 deshalb so erfolgreich, weil sie komplett "live" in einem Durchgang eingespielt wurde.
Hätte ich später daran weiter gearbeitet, korrigiert, geschnitten oder noch anderes dazugespielt, wäre die einmalige Atmosphäre dahin.
Hast Du keine Angst, dass Dir auf der Bühne der Laptop abstürzen könnte mitten im Konzert?
Schlimmer wäre, wenn der Mixer ausfällt, dann könnte ich höchstens noch ’ne Rede halten.
Wenn’s nur der Laptop ist, na dann gibt’s halt ein Gitarrensolo bis der Laptop wieder läuft oder ein Ersatz dasteht. Ich glaube das nennt man break-beats.
Da darf man sich halt nicht aus der Ruhe bringen lassen. Schließlich habe ich über Jahre gelernt, meine Musik aus der Improvisation zu entwickeln. Wenn bei frühen ASH RA TEMPEL Konzerten mal der Strom ausfiel, und das passierte durchaus, dann gab’s halt ein Schlagzeugsolo und alle trommelten mit.
Wo konnte man Dich 2007 live sehen – welche Länder hast Du bereist- und sind Auftritte im diesem Jahr geplant?
Ich war in Korea, wo ich auf dem größten asiatischen Film-Musik-Festival live F.W. Murnaus Stummfilm SCHLOSS VOGELÖD (1921) begleitete.
Und dann gab es ein Konzert zu meinem 55. Geburtstag in Berlin, mit Gästen aus England, USA und China, siehe dazu: http://www.ashra.com/news.php?m=A, und da das Datum 22.8.2007. September und Oktober war ich dann mit Filmvorführungen und privat in den USA: San Antonio, Texas sowie in San Francisco und Los Angeles.
Dieses Jahr habe ich während der Berlinale gespielt, u.z. zu Ehren des letzten authentischen Stummfilmpianisten der 20er Jahre, der mit 103 verstarb und über den ich mit meiner Frau einen Film produziert haben, siehe Flyer der sehr erfolgreichen Veranstaltung: http://www.ashra.com/news.php?m=A
Im August geht es dann mit E2-E4 nach NY zu einem spektakulären Open Air Konzert im Lincoln Center/Damrosch Park, nach Philadelphia und Toronto, und anschließend nach Peking.
Aus Paris gibt es auch noch eine interessante Nachfrage für Oktober, ebenso aus Dublin.
Und am 7. März 2009 spiele ich dann in Los Angeles in der Royce Hall.
Es gibt auch immer wieder Angebote, wo es nur um das x-te Revival oder die soundsovielte Reunion geht, aber das interessiert mich nicht besonders, die erste ASH RA TEMPEL Reunion gab es bereits 1973, da hatte ich noch nicht mal mein Abitur fertig (zu hören auf "Join Inn": http://www.ashra.com/disco/1732jo.htm).
Vielleicht wird es mal wieder eine zum 40. Jahrestag von ASH RA TEMPEL im Jahre 2010 geben, aber das wäre die einzige, ist aber eher unwahrscheinlich, weil ich andere Pläne und spannende Projekte habe - zukunftsweisender Natur und nicht den Blick zurück. Und Filme machen wir ja auch noch, das macht mir ebenfalls Spaß, wie schon bekannt… ;-)
Du hast ein eigenes Studio. Wie viel Zeit verbringst du dort? Und arbeitest Du alleine?
Alleine und immer dann, wenn ich eine Zigarette rauchen möchte ...in den anderen Räumen darf ich das leider nicht mehr ..... hat mir meine Frau verboten.
Also genauer gesagt habe ich zwei Studios, ein kleineres, in dem ich neue Entwürfe und Ideen bearbeite, aber auch CD Mischungen und Mastering mache, und dann ein größeres, in dem meine ganzen alten Instrumente, Tonbandgeräte, Mischpult, und andere historische Raritäten stehen; fast schon ein Museum. Dort bin ich hauptsächlich um Tonbänder zu restaurieren oder wenn ich nach bestimmten Original-Klängen suche.
Welches neue Projekt realisierst du gerade?
Gerade habe ich zwei wichtige Alben zum Re-Release vorbereitet, mit Bonus-Material. Lange habe ich mich auch dem verweigert, aber es fragen so viele nach, dass ich beschlossen habe, es nun doch zu tun.
1. BELLE ALLIANCE, ein Album mit meiner Band ASHRA, das ist übrigens eine völlig andere Besetzung als bei der Band ASH RA TEMPEL, deshalb ist es auch eine andere Musik als die der Anfangszeit von ASH RA TEMPEL. Dieses Album habe ich nun zu einer Doppel-CD erweitert, eine Art „plus Bellle Alliance" ist entstanden, die das re-masterte Original und eine zweite Scheibe enthält, mit Stücken, die wir damals nicht unterbringen konnten, weil bei einer LP nur 2x20 Min. zur Verfügung standen. Um die übrigen nicht veröffentlichten Stücke hat es mir schon immer leid getan. Nun macht es die CD möglich…
2. CORRELATIONS, ebenfalls ein ASHRA Album, zu dem wir in der berühmten ufaFabrik in Berlin (wo auch die Gala in Memoriam Willy Sommerfeld und mein Konzert während der Berlinale stattfanden) im Jahre 1978 einige Sessions zur Vorbereitung hatten (ja 30 Jahre ist das her!). Den ersten Mix machten wir in Berlin mit Udo Arndt, der für mich auch schon BLACKOUTS gemixt hatte. Meine damalige Plattenfirma Virgin Records war aber noch nicht so überzeugt und meinte wir könnten das noch besser. Also gingen wir nochmals ins Studio in Frankfurt a.M., machten noch einige Änderungen und einen neuen Mix mit Mick Glossop, der u.a. auch schon mit Van Morrison gearbeitet hatte. So wurde es dann auch bei Virgin veröffentlicht. Vor einigen Jahren hatte ich schon auf dem eigenen Label MG. ART ein 3-CD-Set mit den Sessions aus der ufaFabrik als THE MAKING OF veröffentlicht. Das war im Nu ausverkauft. Jetzt habe ich überlegt, auch den ersten Mix dazu zu geben, das sind zwar die gleichen Titel, klingen aber einfach anders, mehr spacey, mehr Echo und Gitarren, wie eine elektronische Band, die Rock-Elemente benutzt, während der Virgin release wie eine Rockband klingt, die elektronische Klänge benutzt. So gibt es also eine 5-er Box, limited edtion für Liebhaber – zuerst in Japan und dann weltweit… ;-)
Du hast deinen 55. Geburtstag in Berlin mit einigen sehr illustren Freunden gefeiert. Leider konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Erzähl mir bitte etwas über diese besondere Veranstaltung.
Ich hatte dazu meinen Freund Elliott Sharp eingeladen, einen begnadeten Klassik- und Jazzgitarristen aus NY, der aber auch für große Orchester komponiert, z.B. für das des Hessichen Rundfunks. Ferner einen begabten jungen Kollegen aus China, der mit Sonic Youth als Gitarrist tourt, mit Glenn Branca gespielt hat und in China die No 1 der Experimentellen Musik ist. Und dann war natürlich Joe Claussell dabei, mit dem ich schon einmal „zusammengearbeitet" habe, d.h. er hat zwei Stücke von mir bearbeitet, die wir dann auf dem Album „Joe Claussell meets Maneul Göttsching" (http://www.ashra.com/disco/4a61jo.htm), veröffentlicht haben – ein sehr schönes Album!
Joe hat schon mit Miles Davis gespielt, ist Produzent in NY - und auch als DJ weltbekannt. Aber es waren auch noch andere gute DJs aus London, Warschau und Berlin dabei.
Aber die größte Überraschung bereitete mir mein Freund Gen Fujita, der aus Japan angereist kam, mit Tochter und seinem Personal Assistant. Gen Fujita ist ein wichtiger japanischer Geschäftsmann, ein großer Kenner deutscher Kultur und der Musik aus aller Welt.
Er hat im Tokyo Tower das größte Wachsmuseum Asiens und einen sehr gut sortierten Musikladen, wo man auch alles von mir kaufen kann. In einem Film über mich, den Kinga Kielczynska 2006 fürs Fernsehen gemacht hat spricht er sehr schön über mich, ebenfalls Joe Claussell.
Dein Album E2-E4 ist ein von sehr vielen hochkarätigen Musikern anerkanntes Projekt.
Das ist schon richtig, kommt aber auch darauf an, wer sich dazu äußert. Die „Neue Musik"-Anhänger aus den USA, besonders aus Kalifornien, finden mein Album INVENTIONS FOR ELECTRIC GUITAR oder auch NEW AGE OF EARTH (hat mit der New Age Bewegung nichts zu tun, die gab es noch nicht, als ich das Album machte) bedeutender und wichtiger. Andere behaupten das von BLACKOUTS. Also eine Frage der Perspektive. Es stimmt wohl, dass ich mit meiner Musik auf welchem Gebiet auch immer (ich werde zu Minimalisten gezählt genauso wie zu Rock, Trance und Dance etc.) viele Kollegen beeinflusst habe, weil ich mit der Nase immer voran war ;-)
Man bezeichnet Dich als den Vater der Tanzmusik - wie siehst Du das ?
Danke, aber ich glaube, die Leute haben auch schon getanzt, lange bevor ich auf der Welt war...., wenn, dann also vielleicht für eine der neuesten Varianten davon ?
Meine Musik ist schon in so vielen Kategorien gelandet, vom Krautrock, space rock, prog rock, Kosmische Musik - für die frühen Alben, über elektronische Musik, minimal, ambient bis zu trance etc. heutzutage.
Einer schrieb mal was von teutonic railroad rock’n roll, auch nicht schlecht, wo ich doch so ein Eisenbahn Fan bin. Und Heavy Metal Krautrock Band finde ich auch ganz gut. Das hat sich Julian Cope ausgedacht für ihn, einen Schlagzeuger und mich, wenn wir auf Tour gehen, denn so ein Projekt gibt es durchaus.
Aber insgesamt kann ich darüber nur schmunzeln - solche Schubladen kommen und gehen, und ich freue mich, dass ich auf erstaunlich vielen Gebieten Talente habe. Die Rock oder Blues Komponente entsteht einfach durch die Benutzung elektrischer Gitarre, die elektronische Komponente durch die langjährige Arbeit mit elektronischen Instrumenten und Klängen für die Produktion und Aufführung meiner Werke, und das minimalistische ist wesentlicher Teil meiner Kompositionen.
Sehr viele Musiker haben sich an der E2-E4 „bedient". Einige Prominente dabei. Möchtest Dazu etwas sagen? „Talking about my Girl" von Fatboy Slim klingt z.B. schwer nach E2-E4. Nun ja, es gibt noch „Sueno Latino", die berühmtesten Variante schlechthin, dann jene von Carl Craig oder Derrick May, und sogar schon als Klavierstück in der Bearbeitung des bekannten französischen Pianisten Maxence Cyrin, auf Laurent Garnier’s Label erschienen.
Und die ZEITKRATZER spielen es auch. Aber das ist nicht nur auf die E2-E4 beschränkt. Das Stück SUNRAIN von der „New Age of Earth" ist mindestens genauso beliebt, viele der Remixe, Sampler und Bearbeitungen sind inzwischen legal, aber viele probieren es immer noch...
Was Fatboy Slim betrifft, so war in der Presse zu lesen, dass er sich bei der E2-E4 in seine spätere Frau verliebt hatte. Vielleicht ist „Talking about my Girl" so eine Art Tribut and das Werk???
Du hast „Sueno Latino" erwähnt, aber lange war es doch gar nicht bekannt, das dieser Ibiza-Riesenhit komplett auf einem Teil der E2-E4 beruht …. Stört es dich nicht, dass deine Kompositionen von anderen Musikern benutzt und interpretiert werden?
Ganz im Gegenteil, es ist doch schön, wenn meine Werke so inspirierend auf andere wirken und auf verschiedenste Arten interpretiert werden können . „Sueno Latino" entstand übrigens in Bologna bzw. im Studio in Udine / Italien 1989 die Sängerin war die Ex-Freundin des einen Musikers des Duos "Righeira", die schon den genialen Hit "Vamos a la Playa" geschaffen hatten.
Viel viel später kam es dann, wiederum durch diverse Remixe u.a. von Derrick May, nach Ibiza.
Aber es ist richtig, dass die Macher von „Sueno Latino" zwar mich als Mit-Komponisten, aber nicht die E2-E4 kreditiert hatten…- Nur, wenn man meinen Sampler herausnimmt, dann fällt das ganz zusammen. Also ohne die E2-E4 kein „Sueno"....
Die E2-E4 war übrigens schon einige Jahre zuvor in den USA, in Clubs in Detroit, Chicago, aber vor allem in New York, in der Paradise Garage ein grosser Hit – in voller Länge übrigens, von Larry Levan stets ohne Schnitte und Bearbeitung gespielt.
Ich selber habe das Album E2-E4 zuhause, welches in Deutschland leider nicht zu beziehen ist…. Es sind wunderbare Klangwelten. Als Liebhaberin der elektronischen Musik kann ich es nur weiterempfehlen. Wo kann man es beziehen?
Deine Information ist nicht ganz richtig ;-) Die E2-E4 gibt es weltweit in jedem gut sortierten Musikladen und in allen Internet-Shops ohnehin. Aber vielleicht hast Du mal einen Engpass erwischt, als die Rechte auf mich zurückgingen und mein Label MG. ART die CD neu herausbrachte. Da mag es die E2-E4 vielleicht kurzzeitig nicht gegeben haben. Wie gerade der Fall mit Vinyl. Aber das bringen wir demnächst auch heraus.
Wie kam es übrigens zu Ash RaTempel? Bitte eine kleine Einführung Manuel.
Was soll ich erklären, den Namen oder die Geschichte?? – Das war meine erste Band, den Namen hat sich Hartmut Enke ausgedacht, im Sinne von ASH = Asche, Ra = ägyptischer Sonnengott und Tempel ist halt Tempel.
Ich war nie so spirituell angehaucht, daher ist das für mich einfach nur Geschichte. Für ihn, vielleicht auch für Schulze, hatte der Name wahrscheinlich schon eine tiefere Bedeutung.
In deiner Vergangenheit bist Du mit Musikern wie F.J. Krüger, der leider kürzlich verstorben ist, von der Gruppe IDEAL in Berührung gekommen. Ihnen hast Du durch Empfehlungen und gute Verbindungen in den 80-er Jahren zu großem Erfolg verholfen. Wenn Du heute musikalisch auf die 80-er Jahre zurückschaust, was fällt Dir auf Anhieb dazu ein? Was kommt Dir sofort in den Sinn?
Rodigan’s Rockers, eine Reggae Programm im BFBS, diverse DJs, die mit scratchen anfingen, und alle Musiker redeten nur noch von MIDI, wovon ich schon damals nicht so ganz überzeugt war. Da ich schon Ende der 70er Experimente mit frühen Apple und Commodore Computern gemacht hatte, zog ich es vor abzuwarten, bis die Computer Technik etwas ausgereifter war, allerdings musste ich dann noch zwanzig Jahre warten bis so etwas wie Ableton live möglich wurde.
Ich habe eher weniger Erinnerungen an die 80er Jahre, meine Zeit, in der ich präsenter in der Musikszene war, waren die 70er.
Aber begonnen hatte es schon 1968 mit der Berliner Musikszene in dem damals berühmten Beat Studio beleitet von dem Schweizer Avantgarde Komponisten Thomas Kessler. Dort traf sich alles was Rang und Namen hatte und so entstand später der Begriff Berliner Schule, vor allem im Bereich der elektronischen Musik.
Mit EffJott (Krüger) hat mich einiges verbunden, IDEAL etc. Ich kannte ihn schon seit 1973, es gab damals einen kleinen Jazzclub oben am Kurfürstendamm, mit einem noch kleineren Keller, in dem wir manchmal Sessions machten.
Habe mit ihm gerne musiziert, aber auch Fahrräder zusammengeschraubt, gekocht und vieles andere mehr. Er ist auch als einer der Gitarristen bei der Modeshow Veits-Fights im Lichthof der TU dabei, zu der ich das Musikkonzept entwickelte und aufgeführt habe.
Davon gibt es auch Aufnahmen, Video und natürlich Ton, wie von allen Modeschauen, die ich für Klaudia Skoda und für Joop musikalisch begleitet habe. (Zwei davon sind auf Myspace zu sehen, u.z. die Berichterstattung im SFB.
http://vids.myspace.com.index.cfm?fuseaction=vids.individual&VideoID=8652303
Ja, nun ist EffJott leider tot.
Du bist nicht nur im Konzertbereich selbst engagiert. Musikkonzepte für Mode hast Du auch gemacht und aufgeführt, wie wir geraden gehört und gesehen haben. Ebenso hast du aber auch schon für Theater Musik gemacht bzw. komponiert und arrangiert. Wie und was hast Du im Theaterbereich gemacht?
Filmmusiken mache ich gelegentlich auch ;-)
Für den französischen Kultregisseur Philippe Garrel bei dem Film „Le Berceau de Cristal" (1975), mit der Velvet Underground Sängerin Nico und mit Anita Pallenberg, wovon es auch einen Soundtrack gibt: http://www.ashra.com/disco/1931be.htm), für F.W. Murnaus Stummfilm „Schloss Vogelöd" (gelegentlich führe ich die Musik dazu live auf, wie während der diesjährigen Berlinale: http://www.ashra.com/news.php?m=A) und für meine Frau.
Aber zurück zum Theater.
Ich habe für zwei Theateraufführungen ("Brennende Geduld" von Antonio Skarmeta und "Dracula" nach Bram Stoker) den kompletten Soundtrack gemacht, hat mich einfach mal interessiert die Theaterarbeit. Dazu gehören dann aber nicht nur meine Musik, sondern auch alle Geräusche, verfremdete Originalmusiken, Sprachcollagen, also alles was dann während der Aufführung an Ton benötigt wird.
Ich war dazu in Rundfunkarchiven und habe mir Geräuschmaterialien besorgt, teilweise selbst erstellt. Ich habe Holst’s Planeten verfremdet mit einem der ersten Sampler, das hatte damals noch kein Theaterregisseur gehört. Und ich hatte die große Ehre in meinem Studio den legendären Schauspieler und Synchronsprecher Arnold Marquis (die deutsche Stimme von John Wayne) aufzunehmen, als Erzähler aus dem off für die Dracula Aufführung.
Schade fand ich nur immer, dass nach den wochen- oder monatelangen Proben mit Schauspielern und dem Riesenaufwand mit Bühnenbild und Kulissen nach ein paar Aufführungen alles wieder vorbei war, aber wie schon mein Freund Hartmut Enke sagte: "Theater ist immer live".
Was tust du, um dich auszuruhen und zu relaxen?
Lesen.
Hast Du neben der Musik andere Hobbies?
Meine elektrische Eisenbahn.
Wo machst du gerne Urlaub?
Überall wo es warm ist.
Was ist dein Lieblingsgericht? Kannst du kochen?
Kann ich, aber meine Frau kann es viel besser.
Der glücklichste Moment in deinem Leben?
Wenn ich dieses Interview fertig habe, ich hasse schriftliche Hausarbeiten ;-)))
Wen oder was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine Frau würde sich wohl weigern, weil ihr das zu langweilig wäre ohne Internet, also bliebe dann nur ’ne Gitarre...
In letzter Zeit hat sich viel in der elektronischen Musikszene verändert. Die Musik ist impulsiver und klingt nicht mehr so kommerziell. Sie ist poppiger als in den Neunzigern, es gibt viele Produzenten und es kommen immer mehr und mehr. Die Szene wächst und wächst. Wo siehst Du Deinen Platz in der Zukunft?
Bestimmt nicht auf einer einsamen Insel mit Gitarre. Vorzugsweise würde ich gerne mit meinem Raumschiff durch’s All düsen, ab und zu auf einem Planeten landen, ein Konzert geben, gut essen, weiter komponieren und irgendwann von einem schwarzen Loch verschluckt werden.
(Nicky lacht schallend ;-)))
Manuel, ich danke dir sehr, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.
Ich weiß du hast wenig Zeit. Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Zukunft und hoffe, dass all das was Du Dir vornimmst erfolgreich sein wird. Möchtest du zum Ende noch etwas sagen?
Danke schön!
Und ich danke Dir !!!!! Nicky
Copyright: Manuel Göttsching & Nicky Zimmer, Berlin/Frankfurt, April 2008 (unerlaubter Abdruck nicht gestattet)
Discography:
Manuel Göttsching / Ash Ra Tempel / Ashra / Collaborations with other Artists
2008 New Age Of Earth 2008 Blackouts (Classic Edition) 2008 E2-E4 (Classic Edition) 2008 @shra + @shra Vol. 2 2008 Correlations Complete (Classic Edition) 2008 Belle Alliance Plus (Classic Edition) 2007 Live at Mt. Fuji 2006 E2-E4 25th Anniversary Edition 2006 Joaquin Joe Claussell meets Manuel Göttsching 2005 E2-E4 Live (Maxi CD) 2005 Concert for Murnau 2005 Die Mulde 2002 The Making Of 2002 @shra Vol. 2 2000 Gin Rosé at the Royal Festival Hall 2000 Friendship 1998 @shra 1998 The Best of The Private Tapes 1998 Sauce Hollandaise 1997 Tokyo Tower/Clone (12" maxi single, with Terranova) 1996 The Private Tapes Vol. 1 - 6 (recorded 1970-1979) 1995 Early Water (with Michael Hoenig, recorded 1976) 1993 Le Berceau de Cristal (recorded 1975) 1991 Tropical Heat (recorded 1985/1986) 1991 Dream & Desire (recorded 1977) 1989 Walkin' The Desert 1984 E2-E4 (1981) 1980 Belle Alliance 1979 Correlations 1977 Blackouts 1976 New Age Of Earth 1975 Inventions For Electric Guitar 1973 Starring Rosi 1973 Join Inn 1973 Seven Up 1972 Schwingungen 1971 Ash Ra Tempel
More Videos: http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&VideoID=7080599 http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&VideoID=7080009 http://www.youtube.com/results?search_query=manuel+g%C3%B6ttsching&page=1
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